Squealer-Rocks.de DVD-Review
Queen + Paul Rodgers - Live in Ukraine (DVD + 2 CD Set)

Genre: Rock
Review vom: 13.06.2009
Redakteur: maddin
Veröffentlichung: 12.06.2009
Label: EMI



Tja, so kann's gehen. Da hat man sich gerade an Queen mit Paul Rodgers gewöhnt, da hat der Gute die Band auch schon wieder verlassen. Ob sein Weggang mit den katastrophalen Verkaufszahlen des aktuellen Albums „The Cosmos Rocks“ in Verbindung steht, wie vielerorts gemunkelt wird, wage ich mal zu bezweifeln. Erstens wird der Mann definitiv ein fürstliches Festgehalt beziehen und zweitens war die ganze Geschichte von vornherein nur als Projekt angedacht, eigentlich wollte man ja überhaupt kein neues Album aufnehmen und nur ein paar Gigs spielen. Mir ist zwar nach wie vor völlig unverständlich, warum die letzte Scheibe dermaßen gefloppt ist, zumal ja schon die neue Namensgebung klar macht, dass man die Truppe nicht mehr mit den alten Queen gleichsetzen darf, aber ich muss ja auch nicht alles verstehen.

Die Welttournee war jedenfalls ein Riesenerfolg, was mir noch unverständlicher ist. Wenn die Leute Queen ohne Freddy nicht akzeptieren, warum geben sie dann einen Haufen Kohle für ein Konzert aus? Sei's drum, dieses nette, fette Package hier lässt uns Zeuge eines ganz besonderen Auftritts werden.
Drei Tage vor dem offiziellen Tourstart in Moskau spielte die Band in der ukrainischen Stadt Charkiw ein Benefizkonzert zugunsten der Elena Franchuk Anti – Aids - Stiftung. Nach Mercurys Tod ist AIDS bei Queen eh schon ein sensibles Thema, zudem leidet die Ukraine unter der höchsten Zahl an HIV Neuinfektionen in ganz Europa. Kann es ein deutlicheres Zeichen geben, wenn eine der größten Rockbands die Problematik auf diese Weise in den öffentlichen Fokus rückt, demonstrativ der Stiftung beitritt und mal so nebenbei noch für ordentlich Spendengelder sorgt?
Hut ab!

Das Konzert fand vor gigantischen 350.000 Zuschauern statt und weitere 10 Millionen verfolgten das Spektakel an den heimischen TV Geräten. Die Stimmung im Publikum ist mit „euphorisch“ noch moderat beschrieben und selbst ein alter Hase wie Brian May ist angesichts dieses monumentalen Anblicks mehr als einmal fassungslos.
Natürlich präsentieren sich die Königlichen in einem adäquaten Umfeld, sprich Mega – Bühne mit Mega - Laufsteg ins Publikum, Mega - Videowänden und Mega - Lichtshow.
Das allergrößte Plus der Show jedoch ist ihre geniale Dramaturgie, die den Gig in drei Teile gliedert.

Der erste Part besteht aus 8 Songs und ist quasi ein Nonstop Hit – Feuerwerk. Außer einem kurzen „Good Evening, How Are You?“ gibt es keine Ansagen und munter werden Smasher wie „I Want It All“ „ Fat Bottomed Girls“ oder „Another Bites the Dust“ in die riesige Menge geprügelt.
Logischerweise will an dieser Stelle jeder nur eines wissen: Wie performt Paul Rodgers die alten Klassiker? Nun, wie Paul Rodgers eben. Der Mann hat eine komplett andere Stimme als Freddie Mercury und auch sein Stagacting ist wesentlich moderater und bodenständiger. Und das ist auch gut so! Denn all die Experten, die sich nun über Rodgers mokieren, würden bei einer Freddie – Kopie geifernd „Leichenfledderei“ brüllen.

Der interessanteste Teil des Konzerts ist zweifellos der zweite. Brian May sagt Mr. Rodgers an, der dann samt Akustik – Klampfe vorne am Laufsteg den Bad Company Oldie „Seagull“ performt. Anschließend sagt Rodgers May an, der zum Gedenken an Freddie zunächst eine wirklich herzzerreißende Version von „Love of My Life“ zusammen mit dem Publikum intoniert.
Nachdem alle ihre Tränchen verdrückt haben, sagt Mr. May Roger Taylor an, der sich incl. einer Bass - Drum ebenfalls an die ungewohnte Frontposition begibt, wo die beiden dann den ersten Teil von „39“ zum Besten geben. Die Zuschauer rasten völlig aus, alle singen mit und das Ganze wird noch getoppt, als May den Rest der Truppe nach vorne holt und der Song zu Ende gespielt wird.
Nun beginnt Roger Taylor sein Solo nur mit der Bass – Drum und schlägt mit seinen Sticks zudem noch auf den Bass von Danny Miranda ein.
Währenddessen wird sein Kit stetig um ein weiteres Element erweitert, bis die komplette Schießbude aufgebaut ist. Wahnsinnn!
Nach seinem Alleingang singt der sympathische Schlagwerker erst den Oldie „I'm In Love With My Car“, dann das tieftraurige „Say It's Not True“ vom neuen Album.
Erneut gibt es feuchte Augen, bevor das Zepter zurück an Paul Rodgers gegeben wird, der zwei Bad Company Classics zockt. Doch es ist immer noch nicht Schluss mit den Solo – Ausflügen: Zum Ende von Part Numero Zwo legt Brian May noch richtig was auf der Sechssaitigen vor und zum ersten Mal taucht Freddie Mercury kurz auf...

Der letzte Teil dieser tollen Trilogie besteht dann aus den unvermeidlichen Klassikern und zwei Songs der neuen Scheibe, wobei der Free Klassiker „All Right Now“ natürlich auch nicht fehlt.
Etwas überraschend mag hierbei erscheinen, wie gut der Fast - Titeltrack der letzten CD, „Cosmos Rockin'“, ankommt. Da tobt der ukrainische Bär!
Der Höhepunkt ist jedoch zweifellos der beste aller Queen Tracks, „Bohemian Rhapsody“.
Die Darbietung hat in der Tat etwas magisches: die Band spielt live und der Gesang ... kommt von Freddie Mercury! Die Videowände zeigen den Paradiesvogel am Piano und in seinen schönsten Posen. Beim letzten Drittel des Songs übernimmt dann Paul Rodgers die Vocals, und selbst vor der heimischen Glotze hat man das Gefühl, so eben etwas ganz Besonderem beigewohnt zu haben.

Die Bildqualität der DVD ist spitze, die Kameraführung völlig in Ordnung, die Schnittfolge ebenfalls. Interessant finde ich die vielen Schwenks ins Publikum und auch die Initiatorin der Stiftung – und somit auch des Konzerts - , Elena Franchuk, sieht man des Öfteren singend, klatschend und sichtlich voller Stolz, diese Band in die Ukraine geholt zu haben.
Der Sound ist absolut live, definitiv nicht nachgebessert und erstaunlich roh. Der 5.1. Klang kommt von daher recht wenig zum Tragen (was ich allerdings nicht als Manko empfinde), auf der CD wirkt die Sache noch etwas wuchtiger.
Extras gibt es leider keine, dafür ist die Aufmachung des Packages umso reizvoller. Ein 24 - seitiges Booklet, das den Namen wirklich verdient, zeigt tolle Bilder vom Aufbau der Bühne etc. und bietet dazu noch massig Infos zum Konzert.
Rein sachlich betrachtet haben wir es hier mit der gelungenen Verfilmung eines der größten Konzerte aller Zeiten zu tun.
So etwas sollte man schon im Regal haben.

Tracklist:
01 One Vision
02 Tie Your Mother Down
03 Show Must Go On
04 Fat Bottomed Girls
05 Another One Bites The Dust
06 Hammer to Fall
07 I Want to Fall
08 I Want To Break Free
09 Seagull
10 Love Of My Life
11 '39
12 Drum Solo
13 I'm In Love With My Car
14 Say It's Not True
15 Shooting Star
16 Bad Company
17 Guitar Solo
18 Bijou
19 Last Horizon
20 Crazy Little Thing Called Love
21 C-lebrity
22 Feel Like Making Love
23 Bohemian Rhapsody
24 Cosmos Rockin'
25 All Right Now
26 We Will Rock You
27 We Are The Champions
28 God Save The Queen

Line up:
Paul Rodgers - Vocals, Guitar, Piano
Brian May - Guitar, Vocals
Roger Taylor - Drums, Vocals
Spike Edney - Keyboards
Jamie Moses - Rhythm Guitar
Danny Miranda - Bass

DISCOGRAPHY:

2008 - The Cosmos Rocks
2009 - Live in Ukraine

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