Squealer-Rocks.de CD-Review
Wildhaus - Tanz Mit Mir

Genre: Rock / Industrial
Review vom: 16.10.2011
Redakteur: Tina
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label: Eigenvertrieb



Wildhaus beschreibt sich selber als Anti-Kommerzielles Musikprojekt, das an sich selbst den Anspruch auf absolut freie und vor allem bedingungslose Musik stellt. Das unterstreichen die Herrschaften zusätzlich noch dadurch, als dass die CD in Eigenregie verschenkt wird – ja, richtig gelesen: Verschenkt wird. Zusätzlich kann sich der geneigte Hörer die einzelnen Tracks aus dem Netz für Nüsse runterladen. Dem entsprechend gibt es nun auch hier kein klassisches CD-Cover, wie es der Leser sonst an dieser Stelle gewohnt ist. Feststellung: Gibt Schlimmeres.

Eine weitere Feststellung:
Mit Kommerz hat die Musik der Band aus Konstanz ganz sicher nichts gemein. Ob damit ein Nerv getroffen wird, steht auf einem vollkommen anderen Blatt Papier.

Mit „Tanz Mit Mir“ haben Sibyll und ihre Mannen in 2011 eine Scheibe unters Volk gefeuert, die es schon irgendwie in sich hat. Wenn auch die Zündschnur für einen kleinen Moment aufglimmt und dann erst dann richtig abbrennt, das sei dazu gesagt.

Die Mischung aus Rock und Industrial ist per se schon einmal nicht das, was so gang und gebe ist. Klingt spannend? Ist es auch. Die extrem dreckigen Riffs, antreibende Drums, fetter Bass, das fast schwebende Keyboard und die Röhre von Sibyll – wenn ich einen stimmlichen Vergleich suchen müsste, würde mir am ehesten Nina Hagen einfallen.

Hier scheint tatsächlich kein riesiges Konzept dahinter zu stehen, sondern tatsächlich einfach nur der Bock auf Musik-machen, quasi eine Art musikalischer Freestyle. Das ist durchaus bemerkenswert, da diese Einstellung in den heutigen Zeiten verhältnismäßig selten geworden ist. Der Sound der Kapelle aus Konstanz ist hochgradig eigenwillig, klingt stellenweise etwas schredderig, dafür erstaunlich eingängig.

Sibyll rotzt die (deutschsprachigen) Texte mit einer unglaublichen Intensität und Emotionalität erstaunlich melodisch ins Mikro. Die Stimme klingt schon irgendwie gewöhnungsbedürftig, da Sibyll eine sehr dunkle Stimmfarbe hat, die manches Mal an der Grenze des maskulinen schrammt – dennoch immer wieder wird deutlich, dass eine Frau am Mikro steht.

Textlich ist genau das drin, was draufsteht. Auch das ist ein wesentlicher Punkt, denn hier verirrt sich der Hörer nicht auf gedankliches vorwegmarschieren. In „Sehnsucht“ beispielsweise geht es um Liebe und Hass, Besessenheit und tiefe Verwirrtheit. Sozusagen Nomen est Omen. Klarer können einzelne Tracks nicht betitelt werden.

Hier steckt eine Menge Potenzial für noch mehr Freiheit, noch mehr Anti-Kommerz und Bedingungslosigkeit!

Fazit:
Alles in allem gefällt mir dieses schräg-unangepasste, unkonventionelle und unkommerzielle Machwerk ziemlich gut – dürfte allerdings reine Metalheads nicht unbedingt glücklich machen.

Tracklist:
1. Sehnsucht
2. Das Böse
3. Tanz Mit Mir
4. Bleib Bei Mir
5. Freiheit
6. Danach

Line-Up:
Sibyll – vocals
Dieter – guitars
Igor – keyboards
Nils – bass
Rich - drums

DISCOGRAPHY:

2007 - Stimme in dir
2010 - Graue Schatten
2011 - Tanz mit mir


SQUEALER-ROCKS Links:

Wildhaus - Tanz Mit Mir (CD-Review)

SONSTIGES:

BANDHOMEPAGE
Diesen Beitrag im Forum diskutieren